Geschichte der Münchner Ziegeleien

Chronologische Aufarbeitung der Ziegelindustrie vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

1473

Die Stadt München produziert auf Haidhauser Grund 782.000 Mauersteine und 131.000 Dachziegel. Die Stadt hatte dort das Recht zur Lehmgewinnung erworben.

Haidhausen
17.–18. Jh.

Lehm aus dem Münchner Osten wird für Kirchen, Schlösser und andere Bauten verwendet.

Ramersdorf, Berg am Laim, Haidhausen
1770

Auf einer Karte ist ein städtischer Ziegelstadel südlich von Haidhausen eingezeichnet; die Stadt besitzt dort Lehmabbauflächen.

Haidhausen
ab ca. 1800

Der Ziegel wird zunehmend zum wichtigsten Baumaterial Münchens.

München
1805

Die große Ziegelei Widmann in Ramersdorf befindet sich seit diesem Jahr im Besitz der Familie Widmann.

Ramersdorf, Rosenheimer Straße
ab ca. 1820

Beginn einer starken Ausbreitung privater Ziegeleien. Sie liefern Ziegel für das schnell wachsende München.

Ramersdorf, Berg am Laim, Zamdorf
1820–1900

Große Teile der bis zu vier Meter mächtigen Lehmschicht werden abgebaut – das sogenannte „Abziegeln“.

Ramersdorf, Berg am Laim, Zamdorf
1840

Die Eisenbahn erreicht München. Das löst zusammen mit der Industrialisierung einen enormen Bauboom aus.

München
ab ca. 1850

Die Ziegeleien beginnen, dem Lehmabbau nach Norden zu folgen: von Ramersdorf/Berg am Laim über Bogenhausen bis Oberföhring und weiter Richtung Ismaning.

Münchner Osten
1852

Anton Höchl errichtet neben seiner Ziegelei das Höchl-Schlössl. Das Baumaterial stammt aus zwei eigenen Ziegeleien.

Bogenhausen, Odinstraße
1858

Friedrich Hoffmann patentiert den Ringofen. Die neue Brenntechnik setzt sich auch in München durch und revolutioniert die Ziegelproduktion.

München
ca. 1860–1920

Blütezeit der Münchner Ziegeleien. Bevölkerungswachstum, Wohnungsbau und Industrialisierung erzeugen eine enorme Nachfrage.

Vor allem Münchner Osten
1870

Das Gemälde von Joseph Hahn dokumentiert die handwerkliche Arbeit in einer Lehmgrube.

Münchner Osten
1872

Eine Ziegelei in der heutigen Flaschenträgerstraße wird aufgegeben.

Englschalking
1880

Die Ziegelei Huber am Zeugnerhof wird stillgelegt.

Berg am Laim, Josephsburgstraße
1884

Die Ziegelei Widmann produziert neben Mauersteinen auch Verblendziegel, Trottoirplatten und Kanalklinker.

Ramersdorf
1887

Fritz Meyer gründet in Oberföhring eine Ziegelei. Er wird später Bürgermeister der Gemeinde.

Oberföhring
1889–1915

Die Ziegelei Leibenger produziert Mauersteine.

Oberföhring, Bichlhofweg
1890

Bei der Überwölbung des Eisbachs werden große Mengen Ziegel verbaut – Beispiel für den enormen Ziegelbedarf der Stadt.

München, Eisbach
1894

Eine Ziegelei der Familie Sedlmair wird errichtet; sie bleibt bis 1934 in Betrieb.

Oberföhring
1894

Schriftliche Arbeitsordnung für italienische Ziegler einer Unterföhringer Ziegelei.

Unterföhring
1901

In Oberföhring existieren 14 Ziegeleien – Höhepunkt der Entwicklung im Münchner Nordosten.

Oberföhring
1901–1965

Die Ziegelei August Haid produziert Mauersteine.

Oberföhring, An der Salzbrücke 39
1904

Die zum Zeugnerhof gehörende Ziegelei wird stillgelegt.

Berg am Laim, Neumarkter Straße
bis 1914

Italienische Saisonarbeiter aus dem Friaul stellen einen großen Teil der Arbeitskräfte.

Münchner Ziegeleien
1914

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs dürfen italienische Arbeiter nicht mehr in Bayern arbeiten. Viele Ziegeleien kommen zum Stillstand.

München
ab 1914

Die Familie Haid übernimmt die spätere Ziegelei Josef Haid.

Oberföhring
1915

Ziegelei Leibenger stellt den Betrieb ein.

Oberföhring, Bichlhofweg
1918

Luftbild zeigt die gewaltige Ausdehnung der Ziegelei Widmann mit zwei Brennöfen und großen Trockenschuppen.

Ramersdorf
1920

Eine Ziegelei der Familie Rattenhuber in Englschalking stellt den Betrieb ein.

Englschalking
1920er Jahre

Nach dem Ersten Weltkrieg übernehmen zunehmend Arbeitskräfte aus der Münchner Umgebung die schwere Arbeit in den Ziegeleien.

Münchner Osten
1928

Das Maschinenhaus der späteren Ziegelei Josef Haid wird errichtet.

Oberföhring
1928

Carl Maria Widmann stirbt bei einem Unfall; die Familie kann die Ziegelei während der Weltwirtschaftskrise nicht halten.

Ramersdorf
ca. 1930

Die Ziegelei Widmann stellt den Betrieb ein.

Ramersdorf
1929

Neu-Ramersdorf entsteht; auf Teilen des späteren Wohngebiets liegt noch die Ziegelei Welsch.

Ramersdorf
1933

Auf dem Gelände der Ziegelei Widmann entsteht die Mustersiedlung Ramersdorf.

Ramersdorf
1934

Die Mustersiedlung wird als Ausstellung eröffnet.

Ramersdorf
1934

Die Ziegelei Sedlmair wird geschlossen.

Oberföhring
1940

Bau des Werks Agrob, der nördlichsten Ziegelei auf der Münchner Lehmzunge.

Ismaning
1945

Nach Kriegsende werden auch ältere Ziegeleien nochmals stark ausgelastet, um den Wiederaufbau Münchens mit Ziegeln zu versorgen.

München
ca. 1950–1960

Letzte große Phase der Ziegelproduktion. Gleichzeitig werden Maschinen, Ziegelpressen und künstliche Trocknung wichtiger.

Münchner Osten
1950er Jahre

Neue Wohngebiete entstehen auf ehemaligem Ziegelland. Die Ziegeleien verschwinden zunehmend aus dem Stadtbild.

Ramersdorf, Berg am Laim, Bogenhausen
1960

Die Sonderkonjunktur des Wiederaufbaus endet; Ziegel geraten zunehmend in Konkurrenz zu anderen Baustoffen.

München
Anfang 1960er

Ziegelei Ellwanger, Werk I, produziert noch Mauersteine.

Englschalking
1964

Die Ziegelei Josef Haid verarbeitet letztmals Lehm zu Mauersteinen.

Oberföhring
1964

In der Ziegelei Welsch wird ein neues Maschinenhaus mit Abschneider in Betrieb genommen – kurz vor dem Ende der örtlichen Ziegelproduktion.

Oberföhring
1965

Die denkmalgeschützte Ziegelei August Haid stellt den Betrieb ein.

Oberföhring, An der Salzbrücke 39
1960er Jahre

Das Lehmvorkommen zwischen Ramersdorf und Unterföhring ist weitgehend ausgebeutet; die letzten Münchner Ziegeleien schließen.

Münchner Osten
ab 1970er

Vollautomatische Ziegelwerke setzen sich technisch durch; die historischen Münchner Sommerziegeleien sind jedoch bereits Vergangenheit.

München/Umgebung
1978

Der Ziegelbrennerbrunnen von Hans Osel erinnert an die italienischen Saisonarbeiter des Münchner Ziegelgewerbes.

Haidhausen, Preysingstraße
1990

Das Werk Agrob in Ismaning stellt den Betrieb ein; seit Mitte der 1970er Jahre wurden dort allerdings bereits keine Mauersteine mehr, sondern Fliesen produziert.

Ismaning
heute

Von den zahlreichen Ziegeleien sind nur wenige bauliche Zeugnisse erhalten. Besonders bedeutend sind die erhaltenen Anlagen in Oberföhring.

München, besonders Oberföhring